Freitag, 13. Dezember 2013

Nr. 2 und 3

Unsere beiden Kids waren vom Ergebnis meines ersten Umbaus doch ziemlich angetan. Eine kurze Recherche bei Ebay ergab, dass es dort genug andere 5/50er zu anscheinend erschwinglichen Preisen gab, also wurden zwei weitere Gitarren in Auftrag gegeben. Bei der ersten handelte es sich um eine rot/schwarze Sunburst aus den 1970er Jahren, die bei Ebay doch glatt für 20 Jahre älter deklariert wurde. Das angegebene Typenschild verriet jedoch das tatsächliche Baujahr, so dass dann der Verkäufer sich auch überzeugen ließ, die Gitarre für 200 statt für 400 € zu verkaufen. Die andere Gitarre war tatsächlich aus den 1950ern, erkennbar an der kleinen Kopfplatte. Sie war für 80 € fast ein Schnäppchen, leider nur fast - der Halsfuß war gebrochen, was man auf den Fotos bei Ebay nur erahnen konnte. Die Reparatur samt Abrichten der Bünde und Einstellen des Halses belief sich auf 200 € und erst nach dem zweiten Versuch blieb der Hals stabil.

Das Trio nach dem Umbau

Die drei Gitarren sind recht unterschiedlich. Identisch ist nur die äußere Form. Die Deckenwölbung war bei meinem Prototypen recht extrem, die ältere '59er ist etwas flacher und die '72er nur schwach gewölbt. Dafür ist bei letzterer der Hals klobig und schwer - ist er doch mit vier Schrauben ähnlich wie bei einer E-Gitarre mit einer verchromten Halsplatte auf der Korpusrückseite befestigt. Auch der Abstand der Saiten zur Decke ist hier extrem. Kam ich bei der 65er noch mit einem 2 mm Moosgummi-Shim unter dem Pickup aus, wurde hier eine 5 mm dicke Unterlage benötigt. Dafür war es auch nicht notwendig, die Pickup-Kappe an die Deckenwölbung anzupassen. Denn die hat das Moosgummi (aus einem Mousepad gewonnen) problemlos ausgleichen können. Durch den geschraubten Hals besitzt dieser auch keinen Halsfuß mehr. Er "schwebt" auch mit seinem unteren Stück nicht mehr über der Decke, sondern ist massiv in eine Deckenaussparung eingelegt. Am auffälligsten ist jedoch die riesige Kopfplatte, in die der Hals nicht mehr abgewinkelt, sondern gerade übergeht. Um den notwendigen Druck auf den Sattel zu erzeugen, laufen alle Saiten zunächst unter einem breiten Niederhalter durch, bevor sie sich um die Mechaniken wickeln. Das sieht leider alles andere als elegant aus, erfüllt aber seinen Zweck. Interessant auch das einfach mit zwei versenkten Schrauben auf den Korpus aufgeschraubte Schlagbrett, das ohne Zargenhalterung auskommen musste und in etwa die Form des klassischen Framus-Pickguards aufwies, jedoch ein wenig kleiner war, dafür aber noch einmal den Framus-Schriftzug trug. Mit klassischer Archtop-Bauweise hat das hier nichts mehr zu tun und war wohl eine Folge der Sparmaßnahmen bei Framus.

Die '72er. Der Lack ist sehr schön erhalten, aber auch vermutlich keine Nitrolackierung. Den Schlagbretthalter hat sie von der '59er geerbt, die ja einen vergoldeten bekommen hat. Gut zu erkennen hier der klotzige, eingeschraubte Hals. Das Trapez-Tailpiece ist etwas länger als bei den anderen beiden (stammt hier ausnahmesweise von Duesenberg/Rockinger). Die Gibson-Style Potiknöpfe sind von der Form her identisch zu denen der anderen, jedoch hier in schwarz-transparent.
Ganz anders die '59er. Zuerst fällt auf, wie leicht die Gitarre ist - auch nach dem Umbau. Offenbar wurden hier andere Hölzer verarbeitet; die Stärke der gesperrten Decke ist nur minimal geringer als bei den anderen beiden Gitarren. Sehr schön die Mattlackierung, die um einiges unempfindlicher zu sein scheint als das Hochglanzfinish der '65er. Der Umbau ging schnell von der Hand. Ziel war hier, wegen der schönen rot-gelben Sunburstlackierung alle Metallteile in vergoldet zu verbauen, was der Gitarre ganz ausgezeichnet stehen sollte. Die Originalmechaniken waren trotz aller Maßnahmen deutlich zu schwergängig, also wurden hier vergoldete Schaller-Mechaniken verbaut, die die Originallöcher in der Kopfplatte zum Glück vollständig abdeckten. Trotzdem kamen auch hier wieder Zahnstocker zum Einsatz, da wo die neuen Schrauben ansonsten in die knapp daneben liegenden alten Löcher gerutscht wären.


Die Kopfplatte der '59er im Originalzustand - hier sieht man auch die hässlich angelaufene Trussrod-Abdeckung, die nach etwa zweistündiger Reinigung mit einem Spezial-Metallreiniger nun fast wieder wie neu aussieht.


Die neuen Mechaniken passen exakt
Ursprünglich sollte hier das Originalpickguard verwendet werden; dieses wäre jedoch durch die benötigte Aussparung für den Pickup an dieser Stelle zu schmal geworden, was das recht dünne Plastik instabil gemacht hätte. Also musste hier ebenfalls ein neues Pickguard her. Leider war nirgends ein fertiges P90-Schlagbrett in Cremefarbe erhältlich, also wurde ein solches aus einem Pickguard-Rohling (Rockinger) angefertigt. Der vergoldete Gibson-Halter erwies sich jedoch in seiner Position, die durch die alten Schraubenlöcher vorgegeben war, als zu lang und musste abgesägt werden, sonst hätte er unter dem Schlagbrett unter den Saiten hervorgeschaut.

Vorher - nachher. Die Potiknöpfe sind originale Gibson-Vintage. Hatte die im 4er-Pack gekauft.
Das Framus-Logo mit der Weltkugel auf dem Korpus musste leider geopfert werden, da es ansonsten mit den Potiknöpfen kollidiert wäre. Zum Glück war es nur ein Abziehbild, das schon ein paar Kratzer abbekommen hatte und das dann auch mit dem Daumennagel vollständig entfernbar war.
Die goldene Pickup-Kappe ist leider in Richtung des Halses leicht angeschrägt und daher wohl gedacht für Gitarren, deren Decke an dieser Stelle eine Neigung aufweist. Diese gibt es hier zwar auch, jedoch längst nicht so stark wie vorgesehen, daher scheint der Pickup nun etwas "vornübergebeugt" auf der Decke zu sitzen, was jedoch zu verschmerzen ist. Der Moosgummi-Shim (auch hier war für die "Ohren" eine 5 mm starke Unterlage erforderlich) verschwindet jedoch in der Mitte fast komplett unter der Kappe, so dass er nur an den Seiten zu sehen ist.

Für den erstaunlichen akustischen Klanggewinn bei allen drei Gitarren ist meiner Meinung nach die Ebenholz-Bridge verantwortlich, die individuell an die Deckenwölbung angepasst wurde und den Saitenklang daher optimal und mit maximaler Auflage an die Decke weitergeben kann. Die Originalbridge, die beim Prototyp ja komplett fehlte, war wie so ziemlich alles bei diesen Framus-Gitarren aus billigstem Hartplastik gefertigt.

Die Originalbridge - immerhin mit einzeln verstellbaren Saitenreitern
Und hier zum Abschluss alle drei Framus-Gitarren nach dem Umbau nebeneinander:

v-l-n-r-: '59er, '65er, '72er. Das Bild lässt sich durch Anklicken vergrößern.